"Unternehmer unternehmen was"


Alles in allem war es ein sehr informativer Abend, auch wenn diesmal nur 20 Personen da waren. Die Resonanz im Nachhinein war aber durchweg positiv.


Danke noch an Rolf Prediger, der für alle ein Glas Sekt zur Begrüßung ausgab.


Hier noch der Bericht aus der Tageszeitung FREIES-WORT.


Wirtschaftsstammtisch
„Wir haben Chancen in der Region“
Weshalb Römhilder Unternehmer den Blick über den Tellerrand wichtig finden
Von Wolfgang Swietek

Römhild – Die Idee von Steffen Würstl, der einst den Wirtschaftsstammtisch in Römhild ins Leben rief, scheint aufzugehen. Der Geschäftsführer der Marmor-Center GmbH Römhild muss sich keine Sorgen um Besucher mehr machen, wenn er die nächste Einladung verschickt.

Gesprächsbedarf ist offenbar zur Genüge da, das bewies erneut das Treffen am Mittwochabend, diesmal im Hotel-Restaurant „Zum Hirsch“. Zumal Steffen Würstl mit Landrat Thomas Müller und dem CDU-Landtagsabgeordneten Michael Krapp zwei Gesprächspartner gewinnen konnte, die mit ihren Ausführungen viel Stoff zur Diskussion boten und sich zudem reichlich Zeit nahmen, um den Römhilder Gewerbetreibenden Rede und Antwort zu stehen.

Michael Krapp, der nicht nur der für den Wahlkreis zuständige CDU-Abgeordnete ist, sondern zudem im Thüringer Landtag den Wirtschaftsausschuss leitet, bot mit seinen grundsätzlichen Ausführungen über die Wirtschaftspolitik des Freistaates interessante Einblicke – Informationen aus erster Hand quasi, an die Gewerbetreibende sonst nicht so konkret gelangen.

Krapp: Die Pendler sind nicht der Grund

Vom Aufschwung der Thüringer Wirtschaft konnte Krapp berichten, und ließ die Pendler als Grund für die niedrige Arbeitslosenquote nicht gelten. Mit derzeit acht Prozent habe der Landkreis Hildburghausen nicht nur einen Spitzenplatz in Thüringen und den anderen neuen Bundesländern, auch manch alte Bundesländer erreichen diesen Wert zur Zeit nicht. Was hier in der Region manch Mittelständler leiste, verdiene alle Achtung.

Auch Landwirte, die aus der einstigen LPG ein modernes Agrarunternehmen geformt haben, bezog Krapp in dieses Lob mit ein. Dass bei dieser Entwicklung auch manch Politiker seinen Anteil geleistet habe, nämlich bei der Schaffung der erforderlichen Rahmenbedingungen, erwähnte er nicht ohne Stolz.

Der von der Opposition geforderten Verknüpfung von Vergaberecht und Tarifrecht erteilte Krapp eine entschiedene Absage. Obwohl er den Gewerbetreibenden versicherte – wie später auch Landrat Thomas Müller – alles dafür zu tun, damit soviel Aufträge wie möglich in der Region bleiben.

Von der Landes- auf die Kommunalpolitik leitete Landrat Thomas Müller über, der zunächst sein Amt und dessen Aufgaben vorstellte. Schulbereich, Straßenbau, Jugend- und Soziales – ein Bereich, der allein ein Drittel des Kreishaushaltes verschlingt. Und Brennpunkte birgt, die allein einen ganzen Abend hätten ausfüllen können, gehen sie doch in alle Bereiche des Lebens hinein..

Wo ist die Trennlinie zwischen Staat und eigener Verantwortung in der Familie? „Keiner will zuviel Staat“, sagte Thomas Müller. „Erst wenn ein Kind arg vernachlässigt worden ist oder noch schlimmer – wie jüngst allzu oft geschehen – dann ist das Geschrei groß.“ Warum hat der Staat nicht rechtzeitig eingegriffen, werde dann auf der Suche nach dem „schwarzen Peter“ gerade von denen gefragt, die vorher von allzu großer staatlicher Einmischung ins Private gesprochen hätten.

Immer schwieriger, geeignete Bewerber zu finden

Im privaten Bereich dürften auch die Ursachen liegen, mit denen viele Gewerbetreibenden in Römhild wie anderswo zu kämpfen haben: Die Suche nach geeigneten Bewerbern für eine von ihnen angebotene Lehrstelle. „Die Schule kann ein intaktes Elternhaus nicht ersetzen“, ist sich der Landrat sicher, „was im Elternhaus versäumt wird, kann kaum ein anderer aufholen, so viele sich später auch darum bemühen.“

Kaum einer der Anwesenden, der am Mittwochabend nicht eigene Beispiele in die Diskussion einbrachte. Auf der einen Seite werde immer geklagt, es gebe zu wenige Ausbildungsplätze. Aber wenn ein Restaurant in Römhild für zwei Lehrstellen fünfzehn Bewerber hat, zehn davon beim Bewerbungsgespräch gleich das Handtuch werfen, weil sie „Null Bock“ darauf nhaben, auch mal am Samstag oder Sonntag zu arbeiten – was in der Gastronomie ja erforderlich ist – und von den restlichen fünf noch drei weggeschickt werden müssen, weil sie einfach fachlich nicht in der Lage sind, dann sei das schon bitter. Manche Lehrstelle bleibt dann einfach unbesetzt.

Über Möglichkeiten dem zu begegnen, sprach der Geschäfstführer der Wegra Anlagenbau GmbH Westenfeld, Roland Weidner. „Wir haben nun mal keine besseren Bewerber, und werden auch keine besseren bekommen. Also müssen wir was draus machen.“ Roland Weidner hat im eigenen Betrieb einiges dafür angeschoben, und im BTZ Rohr eine Gesprächsrunde organisiert, um Verbündete zu finden. Es bewegt sich etwas. „Aber nur, weil wir selbst etwas machen und es nicht von anderen erwarten“, sagte Weidner.

Albert Seifert, Chef der Milzer Agrar GmbH, sah das genauso. Und bat förmlich um Engagement für die eigene Region. Durch seine Arbeit in der ILEK-Arbeitsgruppe ist er längst nicht nur in die Probleme der Landwirtschaft involviert. „Wir haben solche Chancen hier in der Region, aus denen wir was machen könnten“, meinte Seifert, „lasst sie uns gemeinsam nutzen.“

Aus dem Keltenweg könne durchaus etwas Großes entstehen, auch wenn es nicht gleich ein Jakobsweg werde. An der Wiederbelebung des Keramiksymposiums, das Römhild einst weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht hatte, arbeitet derzeit eine Arbeitsgruppe intensiv. Gelingt ein Neueinstieg in die Tradition des Töpferhandwerks, könne dies der Stadt viel Ehre einbringen. „Wir brauchen dazu aber dringend Eure Mithilfe“, appellierte Seifert. Gerade in diesem Punkt müsse die einheimische Wirtschaft Farbe bekennen – vielleicht mit der Mitgliedschaft im Förderverein.